position I  
Eine piktorale Konversion
die Schußbilder von Walter Ebenhofer
A pictoral conversion
the Shoot Pictures of Walter Ebenhofer
Ballischtische Untersuchungen der besonderen Art stellen die Schießbilder von Walter Ebenhofer dar. Äußerlich gesehen gleicht die Genese von Ebenhofers Schußbildern einer Exekution. Ein professioneller Schütze feuert mehrere Schüsse auf eine verschlossene Packung Fotopapier oder Diaplanfilm ab. Diese vermeintliche zerstörerische Auftritt erweist sich aber als aparter lichtbildnerischer Akt. Die Projektile haben durch ihr Durchdringen, Aufreißen und Verdichten unterschiedliche Wege geschaffen, auf denen nun von außen das Licht Kurs ins innere dieser photoindustriellen Höhlen nehmen kann. Bereits in den schwarzweißen Arbeiten wird man dieses lichten Kampfes durch die Schichten des sensiblen Materials gewahr. Doch erst in den Farbarbeiten entfaltet sich die tatsächliche bildnerische Kraft der Trias Photomaterial, Projektil und Licht. Die helldunklen Variationen erweitern sich zu einem nuancierten Wechselspiel der Farben. Gebrochene Ränder, die Ritzen oder die zarten Spalten zwischen den Blättern scheinen wohl nur vorbehaltlich einigen gewissen Spektren des Lichts den Zutritt zu gewähren. Gerade die zuletzt entstandenen Serien auf Diafilm verleihen durch ihre Dichte diesem farblichen Spektakel noch ein zusätzliches Gewicht.
Ebenhofers Prozeß mag an die experimentellen Kompositionsarbeiten Dick Higgins's in den Sechzigern erinnern. Der Amerikaner traktierte Notenpapier neben Farbe auch mit Geschossen aus einem Gewehrlauf. Ebenhofer weitet Higgins musikalische Kompositionsarbeit in den visuellen Raum aus. Dem Projektil kommt am ehesten die Kompositionsarbeit zu. Gerade der Interpretationsakt radikalisiert sich weiter. War bei Higgins die musikalische Auslegung noch dem Menschen zugedacht, so übernimmt nun das Licht die visuelle Interpretation. Zwar haben die Bilder das vernichtende Potential der Schüsse absorbiert. Jedoch schwingt vernehmbar ein kontingenter Oberton mit. Tod und Vernichtung sind aus ihnen verbannt. Die Unvorhersehbarkeit der in der Zeit sich ereignenden Prozesse wird aber offenbar. Licht arbeitet sich von Schicht zu Schicht und kommt dabei immer wieder zu neuen Ergebnissen. Die Schußbilder beleuchten den Menschen als ein Wesen, daß zwar Prozesse zu initiieren vermag, aber den Ausgang nicht mehr in der Hand hat. Beobachtend liefert es sich den scheinbar willenlosen elementaren Kollisionsprozessen aus. Blind schießt es ins obskure Nichts.
Tim Otto Roth

b/w serie





serie on colour paper





serie on slide film
A special kind of ballistic experiment present the shoot pictures of Walter Ebenhofer. On the face of it the genesis of Ebenhofer's images resembles an execution. A professional marksman fires several shoots on a closed package of colour film or slide film. This seems to be a destructive performance but the entering light evoques an apart picture world. The projectiles created different ways by penetrating, tearing and compressing, on which light can enter from outside into the photoindustrial cave. Yet in the black and white works this fight of light via the layers of the sensitive material becomes evident. But the entire pictorial power of the trias photo material, projectile and light is developed in the colour works. The former black and white variations broaden into a changing play of colour nuances. Broken margins, cracks or smart gaps between the layers obviously let trespass only certain parts of the spectrum. Especially the recently produced series on slide film emphasise this spectacle of colours.
Ebenhofers process reminds on the experimental compositions of Dick Higgins in the sixties. The American treated manuscript paper besides colour with bullets from a riffle. Ebenhofer extends Higgins's musical composition into the visual space. The projectile can be conceived as the composer. Especially the act of interpretation is radicalised. Higgins left the musical exegesis to the humans, but now light takes over the visual interpretation. In fact the pictures observed the destructive power of the shots. However an contingent overtone sounds in the background of the work. Death and destruction are banned. The unpredictability of timebased processes is revealed. Light passing the different layers finds time and again new results. The shoot pictures show the man as a being, which can in fact initiate processes but looses control on the outgoing. The human being exposes itself to a elementary process of collision that seems to have no will. Man shoots blind in the obscure nothing.
Tim Otto Roth
^up^   ^up^