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| Jenseits der Zeichen Lemperts lichte Spurensuche im Reich des Fauns |
Beyond the signs The lucid tracking of Jochen Lempert in the empire of faun |
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| Jochen Lempert macht sich einen Spaß mit dem menschlichen Hang, die Phänomene der Welt als Zeichen zu deuten. Die physiognomischen Versuche des Biologen dürften dem Kenner der photographischen Kunst bereits begegnet sein. Lempert konfrontiert bei diesem Zyklus Portraits von Tieren mit Gesichtern, die sich in der Blüte eines Veilchens, eines Hauses oder eines Autokühlers vermeintlich abzeichnen. Diese recht kruden Arbeiten auf luftgetrocknetem Baryt verleiten in der Serie den Betrachter tatsächlich dazu, immer wieder ein Antlitz im Gezeigten erkennen zu wollen. Die Bilder, die sich der Betrachter oft allein in ihrer Banalität nicht erklären könnte, werden durch den Kontext der Serie aufgeladen und mit Bedeutung behaftet. Lempert erzeugt so mit seinen Versuchen ein assoziatives Spielfeld, das wohl mehr die menschliche Rezeptionsweisen reflektiert, als das Dargestellte dokumentiert. |
![]() ![]() b/w-photographs from the catalogue: "physiogomische Versuche", 2002
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Jochen Lempert likes to play with the human tendency to interpret the phenomena of the world as signs. Experts should know his physiognomic
studies, the “physiognomische Versuche”. In this cycle the German biologist confronts portraits of animals with “faces”, which seem to become apparent in the blossom of a violet, in a house or in a radiator grille. The series really tempts the spectator to recognize a countenance in
these coarse works on air dried silver bromide. The pictures, that as single would only appear banal, are loaded up by the context of the series and are linked with connotations. In this way Lempert creates by his examinations an associative play ground, that reflects more the human receptivity than that it documents the represented objects. |
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In seinen parallel dazu entstandenen Luminogrammen kehrt sich
dieser Trend von Rezeption und Dokumentation um. Tiere werden nun
nicht mehr aus der Distanz photographisch dokumentiert, sondern
diese hinterlassen direkt ihre Spuren auf dem lichtempfindlichen
Material. Zwei Arbeiten haben die Lichtemissionen von
Glühwürmchen festgehalten. Eine in Italien entstandene Serie
hält in unterschiedlich verteilten schwarzweißen Punkten die
lichte Berührung der Glühwürmchen fest. Eine großformatige
Einzelarbeit dokumentiert hingegen die Bewegung eines deutschen
Glühwürmchens. Eine sensible Entwicklung erlaubte nun, die
Berührungspunkte zu einem Geflecht von Bewegungsspuren zu
verdichten. In einem intensiven Braun schlägt sich die
sensibilisierende Entwicklersubstanz selbst nieder. In jüngster Zeit geht Lempert auf hoher See auf Spurensuche. In diesen tierischen Schüttungen kippt er Meerwasser auf einen schwarzweißen Kleinbildfilm. Daraus vergrößerte Sequenzen halten die lichten Spuren tierischen Planktons fest, das auf Bewegung mit einem nachhaltigen Leuchten reagiert. Lemperts photogrammatische Annäherungen an die Natur muten auf den ersten Blick alchemistisch an. Schließlich gehörte er in den achtziger Jahren der Experimentalfilmgruppe „Schmelzdahin“ an. Das Bonner Tripel unterzog Super-8-Filmmaterial den unterschiedlichsten Prozessen. Die Einwirkung von Chemikalien, Feuer oder z.B. das von Algen bei längerer Exposition in Wasser stand dabei im Vordergrund der Untersuchungen. Lemperts heutige Untersuchungen verhalten sich nüchterner. Die Anordnungen sind weniger performativ sondern muten eher wissenschaftlich an. Nichts desto trotz ist ein hintergründiger Humor in Lemperts Arbeiten spürbar. Auf doppelte Weise führt er die menschliche Suche nach Zeichen und Symbolen in die Irre. In dem Labyrinth vermeintlicher Physiognomien spielt er mit der menschlichen Vorstellungskraft. Seine Luminogramme verstehen sich als unmittelbare Dokumentation und verwehren sich einer symbolhaften Zuordnung. Lempert verweist so auf eine Welt ohne Zeichen, in denen sich nicht die menschlichen Sichtweisen reflektieren, sondern mehr das Gezeigte selbst zeigen kann. In Lemperts Luminogrammen kommt es sogar noch zu einer Emanzipation seiner Protagonisten auf dem Photopapier. Die leuchtenden Tiere werden nicht beleuchtet, sondern sie selbst avancieren zu Spender und Quell des Lichts. Tim Otto Roth |
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This trend from documentation towards representation becomes inverted in his luminograms. Now animals are not documented photographically at a distance but they
leave their tracks directly on the light sensitive material. Two works have captured the light emissions of glowworms. The first series
was created in Italy and captures the lucid touches by the dispersion of black dots on the white ground of the photographical paper. The motion of a German glowworm is documented by a single large format work. A sensitive development facilitated to increase the points of touch to a rhizome of motion tracks. An intense tone of brown refers to the sensitizing developing substance.
![]() Noctiluca, Sabine Schmidt, Galerie, Köln ca.50 x 118 cm In recent times Lempert extends his track explorations on the high seas. He pours living seawater on 35 mm black & white film. The enlarged sequences on silver bromide show the fixed lucid tracks of animal plankton which reacts on motion by emitting a sustainable light. Lemperts photogramatical approach to nature appears on the first view alchemistic. Anyhow he was part of the experimental film group “Schmelzdahin” during the 80’s. The artist trio from Bonn applied various processes on super-8-film-material. The effect by chemicals, by fire or e.g. by algae during longer exposition in water was in the fore of their experiments. Lempert’s today’s explorations appear more matter-of-fact. The arrangements are no performance, but they occur more scientific. Never the less you can feel a subliminal kind of humor. In a double sense he leads the human search for signs and symbols astray. In his labyrinth of the supposed physiognomies he plays with the human power of imagination. His luminograms can be comprehended as immediate documentation and refuse their symbolic classification. Lempert refers to a world without signs. The human view of world is not reflected, but the represented presents on its own way. Lemperts luminograms even lead to a emancipation of its protagonist on the photo paper. The shining animals are not illuminated, but they advance for a donator and source of light. |
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