"Das Photogramm ist der Beginn eines Gedächtnisses der unsichtbaren Gegenständlichkeit."

Für Peter Weibel ist das Photogramm eine Ars Ombra in doppeltem Sinne: Es ist nicht nur eine Schattenkunst, sondern es führte als Lichtabdruck bislang auch ein Schattendasein. Der Veranstalter der Tagung wies auf den fotografischen Diskurs hin, der den Lichtabdruck nach wie vor als Unterabteilung der Schrift des Lichts – sprich der Fotografie - betrachtete. Er kehrte diese These um, indem er fragte, ob nicht vielmehr alle Schrift des Lichts auch ein Photogramm sei. Er plädierte schließlich für eine Erweiterung des Photographiebegriffs für ein neues Verständnis im 21. Jahrhundert. Das Schicksal der Fotografie im Digitalen Zeitalter als Postkameraphotographie sieht er nicht zuletzt vorweggenommen durch das Photogramm.

Begreift man schließlich das Photogramm als Spurmedium und Spur im Material, so drängt sich für Weibel der Gedanke an Freud und Derrida auf, nicht zuletzt da Derrida Freuds Wunderblock aufgenommen hat und insbesondere seine Dekonstruktion auf den Begriff der Spur aufgebaut hat. Für Sigmund Freud stand die wächserne Schreibtafel, die nach Entfernen des Deckblatt eine Spur aufbewahrt, dafür, daß das Unbewußte mächtiger sei als das Bewußte. Weibel sieht hier eine Analogie. Das Photogramm könnte als Spur des Gegenständlichen mächtiger sein als die Fotografie - jedoch nicht als Spur des normalen Gegenständlichen: „Sondern das Photogramm ist der Beginn eines Gedächtnisses der unsichtbaren Gegenständlichkeit“. Darin liegt nicht zuletzt auch das wissenschaftliche Interesse am Photogramm von Röntgen bis heute begründet. Weibels Schlußgedanken lehnte sich schließlich an Jörg Rheinberger an. „Die neue Zeichenwelt, von der das Photogramm uns eine Ahnung gibt, ist noch nicht Objekt, aber mehr als Zeichen, mehr als Index.